Mittwoch, 29. Dezember 2010

Und nochmal - Schimmel

Heute wollen wir mal den Ursachen des Schimmels auf den Grund gehen. Über Feuchtigkeit im Bad habe ich ja schon geschrieben. In einem älteren Blog habe ich auch schon über Wärmebrücken geschrieben und was dort passiert. Dann wird es jetzt Zeit, sich um Abhilfe zu bemühen.

Immer wieder liest man über richtiges Lüften durch eine sogenannte Stoßlüftung. Was passiert da eigentlich und wieso sind andere Lüftungsformen nicht so effektiv? Lassen Sie uns erst einmal über drei Begriffe sprechen:

absolute Luftfeuchtigkeit (Luftfeuchte) in Gramm pro Kubikmeter
relative Luftfeuchtigkeit (Luftfeuchte) in Prozent
Taupunkttemperatur in Grad Celsius

Die absolute Luftfeuchte wird selten verwendet, ist aber leicht zu beschreiben. Hier wird angegeben wieviel Masse Wasser sich in einem Kubikmeter Luft befindet. Also beispielsweise 10g/m³

Die relative Luftfeuchte ist schon etwas schwieriger zu beschreiben. Aber lassen Sie es mich einmal so versuchen: Luft kann bei bestimmten Temperaturen Wasser als Dampf aufnehmen. Je höher die Temperatur desto mehr Wasser kann die Luft "halten".  Wenn sich die Höchstmenge an Wasserdampf in der Luft befindet spricht man von Sättigung. An diesem Punkt spricht man von 100% relativer Luftfeuchte. Beispiel:

Bei 20° C beträgt die Wassermenge bei Sättigung, also 100% rel. LF ca. 13 Gramm pro m³. Bei 25° C beträgt die Wassermenge bei 100% rel. LF schon ca. 16,8 Gramm pro m³.

Der Taupunkt ist nun die Temperatur bei der bei einer vorgegebenen relativen Luftfeuchte der in der Raumluft gespeicherte Wasserdampf wieder kondensiert, das heißt, sich als flüssiges Wasser niederschlägt. Dieser Taupunkt kann berechnet oder in Tabellen abgelesen werden. Auch gibt es Messgeräte die Temperatur und rel. LF gleichzeitig erfassen und dann die Taupunkttemperatur ausgeben. Je höher die rel. LF in einem Raum ist, desto höher wird auch die Taupunkttemperatur.

Beispiel 1: Stellen wir uns einen Raum vor, der 23° C warm ist, die rel. LF beträgt 65 %. Dann ist die Taupunkttemperatur bei 16,07°C. An jedem Punkt in diesem Raum der nun kälter ist als diese 16,07° C wird sich also der Wasserdampf als flüssiges Wasser niederschlagen. Möglich ist dies bei Fensterinnenseiten oder bei Wärmebrücken des Außenmauerwerks.

Beispiel 2: Sie haben gelüftet und heizen wieder. Wiederum beträgt die Zimmertemperatur 23° C, allerdings beträgt die rel. LF nur noch 30 %. Die Taupunkttemperatur liegt nun nur noch bei 4,25° C. Selbst in kalten Winterzeiten werden Sie in Ihrem Wohnraum kaum eine Stelle finden die so kalt ist.

Wie beeinflusst nun das Lüftungsverhalten die Luftfeuchte? Dazu muss man wissen, das sich die Luftfeuchte in Wohnräumen ohne dazutun erhöht. Wasser wird in Form von Schweiß vom Menschen abgegeben, Pflanzen verdunsten Wasser, und nicht zuletzt durch Kochen oder Duschen wird jede Menge Wasser in der Raumluft verteilt. Angenommen wir haben wieder die Verhältnisse wie in unserem Beispiel 1. Nehmen wir an, der Raum ist mein Wohnzimmer mit etwa 50 m³ Luftvolumen. Also enthält das Wohnzimmer 50 x 16,07 Gramm Wasser, also rund 800 Gramm. Ich öffne nun mein Fenster und lüfte einmal ordentlich durch. Dadurch gelingt es mir, die Hälfte der Luft, also ca. 400 Gramm Wasser nach außen abzugeben, frische, kalte Außenluft strömt herein. Nach kurzer Zeit hat sich mein Zimmer wieder auf 23° C erwärmt. Wie steht es jetzt um die Luftfeuchte?

Während ich diese Zeilen schreibe hat es draußen -3 ° C, die rel. Luftfeuchte beträgt 90%. Nach meinen Berechnungen befinden sich jetzt ca. 2,25 Gramm Wasser in einem Kubikmeter Außenluft. Mit den 25 Kubikmetern Frischluft strömen nun also  ca. 60 Gramm Wasser in mein Wohnzimmer. Effektiv nimmt also die Wassermenge in meinem Wohnzimmer also um 340 Gramm ab. Nach dem Lüften habe ich statt der ursprünglich 800 Gramm nur noch 460 Gramm Wasser in meiner Raumluft, also ca. 9,2 Gramm pro Kubikmeter. Daraus errechnet sich bei 23° C eine relative Luftfeuchte von ca. 52%. In meinem ersten Beispiel habe ich ja eine Taupunkttemperatur von 16,07° C ermittelt. Demgegenüber beträgt die Taupunkttemperatur bei 23° C und den genannten 52% rel. LF nur noch 12,62° C.

Fazit:
Durch gezielte Lüften ist es möglich, die Taupunkttemperatur innerhalb eines Raumes deutlich zu senken. Dadurch wird oft verhindert, das sich Schimmelpilze an Wänden oder Decken festsetzen können. Sonderfall bleiben extreme Wärmebrücken um die ich mich in meinen nächsten Blogbeiträgen kümmern werde